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Oktober 2018

Sogar mit den besten Absichten, auf uns selbst zu achten und uns etwas gutes zu tun, tappen wir immer wieder in die Falle der Selbstoptimierung. Wir strengen uns an loszulassen, bemühen uns das Gedankenkarusell zu beruhigen, Ruhe, Fokus und Gelassenheit zu finden. Und wenn wir wieder einmal scheitern, stolpern wir zur nächsten vielversprechenden Methode, um alles besser in den Griff zu bekommen oder versprechen uns, uns ab jetzt noch mehr anzustrengen. Und dabei vergessen wir, worum es uns eigentlich geht oder gehen sollte: uns selbst und andere so zu lieben wie wir sind, das Schöne im Leben zu sehen und auch das Nicht-ganz-so-Schöne anzunehmen … einfach mit dem Fluss des Lebens zu gehen und zu genießen.
 

Yin Yoga ist anders. Für mich ist es DAS Rezept, um mir selbst liebevoll zuzulächeln, mich zu erinnern, alles ein bisschen weniger ernst zu nehmen… mein Herz zu öffnen für die schönen UND traurigen Dinge im Leben... alles zu nehmen, wie es ist und mit dem Fluss des Lebens zu gehen.

 

Also wie üben wir Yin Yoga?

Das kurz und bündig zu erklären, erscheint mir schwerer, als ein ganzes Buch darüber zu schreiben. Trotzdem … hier mein Versuch:

Mach es dir gemütlich!

Im Yin Yoga halten wir die Positionen recht lange, d.h. 3-5 Minuten und länger. Manchmal tendieren wir (v.a. anfangs) dazu, sehr tief in die Positionen zu gehen, also bis wir eine starke Dehnung spüren. Das ist eine Möglichkeit zu üben. Denkt aber unser Kopf ständig darüber nach, dass und wie wir die Position aushalten, fällt es schwer loszulassen und zu sich auf´s Spüren zu konzentrieren. Um loslassen zu können braucht der Körper Entspannung (so auch das Wort "ent-spannen"). Und um zu entspannen brauchen wir es bequem und gemütlich. Es ist also einfacher als gedacht: Meiner Erfahrung und meinem Verständnis von "Yin" nach bewährt es sich, Varianten jeder Haltung zu suchen, in denen wir einen angehmen Zug, Druck, Drehung oder was auch immer spüren. Hier machen wir es uns bequem – mit so vielen Hilfsmitteln wie nötig (meistens mehr wie gedacht). es geht schließlich auch nicht darum, eine einzelne Struktur (z.B. einen Muskel) zu dehnen und in die Länge zu ziehen - was hätte man auch davon? Vielmehr geht es darum, die wundervolle Wirkung einer Haltung, die ein komplexes Zusammenspiel aus Zug und Druck, Drehung und Verschiebung und vieles andere auf unseren Körper ausübt, als Ganzes und auf unser Ganzes zu erleben, zu genießen und zu nutzen. Um diese individuell perfekte - also auf deine Bedürfnisse (die sich auch verändern) zugeschnittene Position zu finden - braucht es manchmal doch ein paar Versuche und einige Atemzüge … dann geht es weiter:

Lass dich sinken . . .

Die einzige physikalische Kraft, die wir im Yin Yoga wirken lassen wollen, ist die Schwerkraft. Wir wollen alle Muskelanspannung loslassen, sodass Zug und Druck, die durch die Haltung und Schwerkraft entstehen, auf uns wirken können. So erreicht Yin Yoga tiefe Gewebeschichten wie Bindegewebe, Gelenks- und Knochenstrukturen und kann auch auf emotionaler Ebene intensiv wirken. Diese (yin-artigen) Strukturen brauchen die Dauer der Belastung, Zeit und Ruhe. Die Absicht, sich sinken zu lassen, hilft uns Muskeln zu entspannen und vermittelt gleichzeitig ein Gefühl von Sicherheit – die Grundlage um loslassen zu können.

Folge deinem Atem

Nimm wahr, wie dich die Einatmung weiter werden lässt, dir Platz und Raum verschafft. Nimm wahr, wie mit dem Ausatmen alles zurück zur Mitte und mit der Schwerkraft in die Erde sinkt. Spürst du, dass dein Atem stockt oder blockiert ist, bist du vermutlich etwas zu tief in der Haltung oder kämpfst mit intensiven Emotionen, die die Haltung zu Tage fördert. Ich empfehle dir, ein kleines bisschen zurück zu kommen, sodass du frei atmen kannst – der Atem ist der Schlüssel zu allem. Du kannst einen sanften ujjayi-Atem (Atem des Meeres) atmen, wenn es dir angenehm ist. Oder du lässt deinen Atem ganz von allein kommen und gehen, ohne Zutun, und beobachtest nur.  Nicht zu vergessen steht YANG für aktives Tun, ist YIN das Nichts-Tun, Nur-Da-Sein, Nur-Fühlen. Damit sind wir bei:

Lausche der Stille

Tun und Denken, aktiv sein, sind dem Yang zuordnet. Ändern wir die Perspektive und werden zum Beobachter, wechseln wir zum Yin. Mach dir diesen Wechsel vom Tun und Denken (die in unserem Alltag so vordringlich sind) zum Fühlen, Zuhören und Einfach-nur-da-sein stets ganz bewusst. So tauchen wir tief in die Ruhe und Stille ein, die hinter allem liegt. Unser Körper wird regungslos, unser Atem ruhig, unsere Gedanken ziehen langsamer vorbei und werden klarer. Manchmal vergessen, wir vor lauter Meditationstechniken auch im Yoga wirklich auch mal nichts zu tun. Ich liebe es, im Yin Yoga den Geist auch mal ganz frei streifen zu lassen, ohne gleich wieder um Fokus und Aufmerksamkeit zu kämpfen. Für mich heißt Yin Yoga auch, von konkreten Zielen und Absichten wegzukommen. Und mehr in den drunter und drumherum liegenden Raum (Yin) einzutauchen. Ich lausche dem Klang der Welt … und von mir selbst und in die Pausen dazwischen. Die Pausen zwischen den Atemzügen nennen wir kumbhakas und es heißt, das wir in diesen Pausen unserem höherem Selbst wirklich näher kommen. Auch der folgende Schrit ist ein wertvoller Schritt in die gleiche Richtung:

Sei liebevoll und lächle dir zu

Denn das ist es, worum es uns wirklich geht. Ich denke nicht, dass es einen Menchen gibt, der nicht nach Liebe sucht. Im Yin Yoga haben wir tatsächlich die Zeit und Gelegenheit, uns selbst und der Welt mehr Liebe zuzuwenden als wir es oft im Alltag tun. Das heißt, jeden Tag so zu üben wie es unseren Bedrüfnissen entspricht. Es heißt, uns selbst Respekt entgegenzubringen und für uns und andere zu sorgen. Es heißt auch, darauf acht zu geben, was wir denken und fühlen, auf die Samen, die wir in unserm Kopf und in der Welt säen.

Zuletzt aber umso wichtiger: das Lächeln. Mit einem Lächeln auf den Lippen lebt es sich leichter. Mit einem Lächeln im Herzen lebt es sich leichter, voller und schöner!

Mit einem Lächeln bringen wir uns selbst liebevolles Mitgefühl (Metta) entgegen. Mit einem Lächeln behalten wir immer ein keines bisschen Humor. Mit einem Lächeln gelingt es uns, einen Schritt zurück treten und über uns selbst zu schmunzeln. Und so finden wir zu einer unbeschwerten Freude und Erfülltheit zurück, wie wir sie von kleinen Kindern kennen. Und das fühlt sich nicht nur gut an, sondern macht auch die ganze Welt für alle etwas heller!


 

"Das Spiel des Lebens sieht sich heiter an, wenn man einen sicheren Schatz im Herzen trägt."

- Schiller

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Wie übt man Yin Yoga ? - ein Vorschlag von Judith

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